KÜNSTLERISCHE LEITung 2017

Der langjährige künstlerische Leiter des Internationalen Wettbewerbs für Choreographie und Direktor des Scapino-Balletts Rotterdam, Ed Wubbe, hat nach 13-jähriger Tätigkeit sein Amt in jüngere Hände übergeben: Nanine Linning, die junge erfolgreiche Chefchoreographin am Theater Heidelberg wird ab dem  31. Wettbewerb in seine Fußstapfen treten. 

Nanine Linning, in Amsterdam geboren, verlässt in ihren multidisziplinären Arbeiten gerne ausgetretene theatrale Pfade und lässt Tanz nahtlos in Design, Video, Musik und Bildende Kunst übergehen. Ihre extrem physischen Choreografien rekurrieren auf grundsätzliche menschliche Instinkte, Begierden und Emotionen. Mit ihren Tänzern und kollaborierenden Künstlern lenkt sie den Fokus auf die „condition humaine“. Linning schloss ihr Studium an der Rotterdamer Tanzakademie 1998 als eine der ersten Choreografie-Studierenden ab. Während ihrer Ausbildung assistierte sie William Forsythe und Dana Caspersen bei deren Tanzfilm From A Classical Position.

Im Jahr 2000 war sie für den holländischen Kulturpreis nominiert. Zu ihren zahlreichen Preisen gehören der Perspektiv-Preis 2002 und der Philip-Morris-Kunstpreis für ihr Gesamtwerk 2003. Für Bacon erhielt sie 2006 den Golden Swan für die beste Tanzproduktion der Niederlande. Der Fernsehsender NPS bezeichnete sie 2007 als „Diva des Tanzes“, das Magazin Quote 2008 als „Business Babe des Jahres 2008“ und das Magazin Viva wählte sie im selben Jahr unter die 400 erfolgreichsten Frauen der Niederlande. 2010 erhielt sie den Theaterkijk-Preis für Endless Song of Silence sowie den De Mus-Preis für Dolby. Für die Choreografie von Voice Over wurde sie 2012 für den größten deutschen Theaterpreis „Der FAUST“ nominiert, im darauf folgenden Jahr mit ZERO. In den Jahrbüchern »tanz« erhielt Linning in den vergangenen drei Jahren mehrere Nennungen in der Rubrik »Kompanie oder Kollektiv des Jahres«. In der Autorenumfrage von »Die deutsche Bühne« war sie in den beiden letzten Jahren in der Kategorie »Herausragender Beitrag zur aktuellen Entwicklung des Tanzes« jeweils zweimal genannt. Die Neueinstudierung ihrer Produktion Requiem am Konzert Theater Bern wurde 2015 mit dem Schweizer Tanzpreis in der Kategorie »Aktuelles Tanzschaffen« ausgezeichnet und von »tanz« als eine der »Vorstellungen des Jahres« geehrt.

Von 2001 bis 2006 war Nanine Linning Hauschoreografin des Rotterdamer Scapino Balletts, einer großen zeitgenössischen Kompanie, bevor sie sich ab März 2006 auf ihre eigene Amsterdamer Kompanie konzentrierte. Seit August 2009 war sie künstlerische Leiterin und Chefchoreografin der Dance Company Theater Osnabrück, mit der sie u. a. Requiem, eine monumentale Tanzvorstellung mit über 90 Akteuren wie Tänzern, Orchester, Chor und Gesangssolisten auf der Basis von Faurés Requiem und Voice Over produzierte.

Seit der Spielzeit 2012|13 setzt Nanine Linning ihre Arbeit als Künstlerische Leiterin und Chefchoreografin der Dance Company Nanine Linning/Theater Heidelberg fort. Ihre erste Heidelberger Produktion ZERO kam am 19. Januar 2013 zur Uraufführung und wurde mit außergewöhnlichem Lob seitens des Publikums und der Presse bedacht. Die Zeitschrift „tanz“ widmete sich der Produktion und Kompanie in der Märzausgabe 2013 mit Titelbild und ausführlichem Artikel. Im Oktober 2013 gab die neue Tanzcompagnie Konzert Theater Bern mit der Schweizer Erstaufführung und somit Zweitaufführung von ZERO ihren Einstand. In der Spielzeit 2013|14 vollendete Nanine Linning mit der Premiere von ENDLESS nach Voice Over und ZERO ihre Trilogie zu menschlichen Seinsweisen und -welten. Von einem „Triumph“ sprach die Süddeutsche Zeitung hinsichtlich ENDLESS, für den Mannheimer Morgen ist ENDLESS gar das „‚Must have seen‘ der Theatersaison 2013|2014“. Im Juni 2014 kam mit Philip Glass‘ Echnaton eine „Tanzoper“ mit Tänzern, Chor, Solisten und Orchester in ihrer Regie und Choreografie zur Premiere und nach 30 Jahren zur deutschen Zweitaufführung.

In der Spielzeit 2014|15 choreografierte Linning Hieronymus B., ein getanztes Triptychon über das Leben und das Werk des Niederländischen Malers Hieronymus Bosch. Linnings Abend sei »beeindruckend und bildstark in seiner ästhetischen Opulenz wie Konsequenz«, urteilte der Mannheimer Morgen über Hieronymus B.; der Deutsche Bühne zufolge habe Nanine Linning Heidelberg »einmal mehr einen Triumph beschert«. Im Februar 2016 fiel Linning die Ehre zuteil, mit Hieronymus B. das Gedenkjahr der Niederländischen Stadt ’s-Hertogenbosch zum 500. Todesjahres des Malers zu eröffnen.

Die Spielzeit 2015|2016 ging für die Dance Company Nanine Linning / Theater Heidelberg mit einer radikalen stilistischen Weiterentwicklung einher. Mit der Produktion SILVER, eine tänzerische Reflektion über die Zukunft des Menschen in einer von Technologie dominierten Zukunft, bereicherte Linning ihr Bewegungsidiom um Einflüsse aus dem Popping. Ihre Vision dessen, was passiert, wenn »Humanoide die Fähigkeit zur Selbstoptimierung erlangen«, sieht der Süddeutsche Zeitung zufolge »sensationell aus«. »Athletisch kraftvolle«, »hochvirtuos« und »furios getanzte Gruppenszenen« hob das Darmstädter Echo im Besonderen hervor. Linnings »Versuchsanordnung« über die Frage nach dem Menschen in einer technologisierten Welt sei »erschreckend aktuell«, so der Befund der Stuttgarter Nachrichten. Die Fachzeitschrift tanz SILVER lobte SILVER als eine Tanzproduktion, »die man nicht so schnell ad acta legen wird.«

Von 2012 bis 2014 war Linning Vorstandsvorsitzende der Tanz-Szene Baden-Württemberg. Neben ihrer Tätigkeit als Hauschoreografin und Leiterin der Tanzsparte am Theater und Orchester Heidelberg ist Linning Mitglied der Künstlerischen Leitung der Tanzbiennale Heidelberg sowie des Choreographischen Centrums Heidelberg.

www.naninelinning.nl