Staatstheater Hannover

DAPHNIS - LOST LOVE

Ballett von Jörg Mannes

Musik von Maurice Ravel und Philip Glass

PREMIERE | Sa 09.12.17 | 19:30 | Opernhau

Ins Zentrum seines Balletts »Daphnis« stellt Jörg Mannes die Entdeckung des Selbst. Die Schwelle zum Erwachsenwerden wird durch Auseinandersetzungen und Positionierungsversuche geprägt. Lange bleiben Liebe und Erotik von Idealisierung und diffusen Träumen romantisiert. Aufkeimende Gefühle und erste sexuelle Erfahrungen geraten in Widerstreit mit solchen Wunschvorstellungen. In der Hoffnung, ihr Idyll lebensfähig zu machen, trotzt das junge Paar Daphnis und Chloé allen Konflikten. Doch wie soll ihre Welt der reinen Gefühle auf Dauer den Tatsachen standhalten?

Mit seinem Entwurf stellt sich Jörg Mannes in die Reihe der Neu-Interpretationen des Balletts »Daphnis und Chloé«. Dabei verzichtet er auf einen Bezug zur griechischen Archaik oder zum Klassizismus, um eine Choreographie zu schaffen, die sich bewusst dem Heute zuwendet. Das Ballett »Daphnis und Chloé« hat Geschichte geschrieben – nicht zuletzt durch die Musik von Maurice Ravel, die heute zu den meistgespielten Orchesterwerken des 20. Jahrhunderts gehört. Der Komponist selbst bezeichnete sie als »Choreographische Suite in drei Teilen«. Damit hebt er sie aus der dienenden Funktion heraus, die ihr von seinem Auftraggeber Serge Diaghilev zugedacht war. Der Impresario und seine Ballets Russes brauchten immer neue attraktive Produktionen, die musikalisch, ästhetisch und tänzerisch auf der Höhe der Zeit lagen. Michel Fokine, der Choreograph der Kompanie, legte Ravel ein Libretto vor, das auf dem Schäferroman »Daphnis und Chloé« des Longos aus dem 3. Jahrhundert beruhte. Ravel ging mit dieser Vorgabe sehr freimütig um: »Meine Absicht war es, ein breites musikalisches Fresko zu komponieren, weniger bedacht auf Archaismus als auf Treue gegenüber dem Griechenland meiner Träume, das eher jenem verwandt ist, wie es die französischen Maler vom Ende des 18. Jahrhunderts sich vorgestellt und geschildert haben.« Es entstand ein Orchesterwerk, das Strawinsky als »eines der schönsten Produkte der gesamten französischen Musik« bezeichnete.

Auch im zweiten Teil des Ballett abends manifestiert Jörg Mannes seine Zeitgenossenschaft. Auf Maurice Ravels Komposition aus dem frühen 20. Jahrhundert lässt der Choreograph die Sinfonie Nr. 8 von Philip Glass folgen, die 2005 uraufgeführt wurde. Von dieser sagt der Komponist, dass das Werk die Sprache der Musik selbst zum Gegenstand habe. In ihrem Spiel der Farben, der Dichte, der Struktur und der Melodie steckt die Komposition voller Überraschungen und bietet ein weites Feld an Möglichkeiten für den Tanz. Jörg Mannes’ Kreation »Lost Love« nimmt einen »Daphnis« entgegengesetzten Blickwinkel ein und fragt: Was geschieht, wenn Wünsche tatsächlich wahr werden? Wenn peinliche Träume Realität geworden sind? Wie intensiv sind wir am Bau einer Welt beteiligt, in der Fakten – des Faktischen enthoben – zu Alternativen geworden sind?

 

 


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