Veranstaltungen in Hannover

Staatstheater Hannover


1-2-3 ... EIN WALZERTRAUMA

Ballett von Jörg Mannes

26.05./6.6./8.6./14.6./20.6./23.6./28.6.2019

»Der Kongress tanzt«, lautet das abschätzige Urteil des Volkes über die europäischen Herrscher, die 1814 in Wien zusammengekommen sind. Anstatt zu verhandeln hält man dort Hof auf großartigen Empfängen, amüsiert sich bei glamourösen Festen. Und als Kontrapunkt zu den restaurativen Bestrebungen des Wiener Kongresses findet en passant auf dem Tanzparkett eine Revolution statt: Hier hält sich die internationale Gesellschaft im Arm, denn der gerade noch als derb und unmoralisch verschriene Walzer ist plötzlich a la mode. Franzosen, Österreicher, Russen und Preußen drehen sich gemeinsam im Dreivierteltakt, während auf dem diplomatischen Parkett der feste Standpunkt verteidigt und zäh um jedes Entgegenkommen gerungen wird.

Das Kommando »Alles Walzer!« klingt vielen auch 200 Jahre später noch wie eine Verheißung. Jede Saison werden allein in Wien mehr als 450 Bälle ausgerichtet. Menschen aus aller Welt strömen herbei, um wenigstens einmal ihren Walzertraum zu erleben. Tatsächlich findet jeder der etwa 500.000 Besucher etwas Passendes zwischen Jäger-, Rauchfangkehrer-, Zuckerbäcker- oder Vegan Ball und dem Ball der Sargfabrik. Und die Wiener selbst? Mittun oder ausreißen, hört man da.

Ballettdirektor Jörg Mannes hegt gemischte Gefühle. Im Leben des gebürtigen Wieners war – zunächst als Eleve der Ballettschule und später als Tänzer an der Wiener Staatsoper – schon aus beruflichen Gründen viel Walzer. Und in jungen Jahren ließ er sich auch privat ganz gerne im Dreivierteltakt dahintreiben. Er hatte sogar einen Lieblingsball, den er ungern versäumte. Der Walzer ist Mannes dabei unversehens ins Blut übergegangen. Aber wohl gerade deshalb betrachtet er dessen Operettenhaftigkeit aus kritischer Distanz. Zum einen ist da der spezielle Rhythmus des Tanzes im Dreivierteltakt, der den Menschen in eine schnelle, unsymmetrische Bewegung zwingt und in eine unnatürliche Richtung treibt. Zum anderen die vielbesungene Walzerseligkeit mit ihrer realitätsfernen, übersteigerten Schönheit, die einer Zeit und einer Welt entstammt, die so nie existiert hat. Jörg Mannes liebt das glücklich Traumhafte der Tanzwalzer von Lanner und Strauß Vater und Sohn, aber vielleicht noch mehr die Brüche, das Schleppende, Melancholisch-Traurige, das er in den Walzern von Schubert, Chopin und Liszt, Sibelius, Ravel, Mahler oder Schostakowitsch findet.

Traum oder Albtraum? Hinter jedem Glanzbild sieht Jörg Mannes auch Falschheit und Vergänglichkeit. Schließlich sind es die Liebeslieder mit Trauerflor, die die innersten Gefühle des wahren Wieners ausmachen


Museum August Kestner

Ausdruckstanz und Bauhausbühne

 23.05. – 29.09.2019 | Sonderausstellung

Formentanz Foto E. Consemüller 1927 Stiftung Bauhaus Dessau.jpg

Im Zentrum der Ausstellung stehen die am Bauhaus entwickelten, noch heute erstaunlich modern wirkenden Tänze. Sie unterschieden sich radikal von anderen Tanzstilen der Zeit. Erstmals wird mit der Ausstellung und der begleitenden Publikation das Verhältnis zwischen dem Ausdruckstanz, welcher sich im Rahmen der Reformbewegungen nach 1900 entwickelte, und den Bauhaustänzen ausgelotet. Dass sich Bauhausmeister für neue Tanzstile interessierten und mit eigenen Arbeiten darauf reagierten, ist ebenso zu belegen wie das Interesse namhafter Ausdruckstänzerinnen für das Bauhaus. Trotz vieler offensichtlicher Unterschiede lassen sich doch Verbindungen zwischen den Intentionen des Bauhauses und anderen modernen Tanzgestaltungen der Zwanzigerjahre aufzeigen. Alle diese avantgardistischen Bestrebungen entstanden in dem Bedürfnis, für die neue Zeit gemäße Bewegungsformen im Tanz zu entwickeln.

 Initiator der neuen Tänze am Bauhaus war in erster Linie Bauhausmeister Oskar Schlemmer (1888-1943), der seit 1923 die Bühnenaktivitäten leitete. Sein Anliegen war es, mit einfachen und elementaren Mitteln zu experimentieren. So galt es beispielsweise beim „Raumtanz“, „Formentanz“ und „Gestentanz“, den Bühnenraum auf verschiedene Weise auszuschreiten und mit wenigen Requisiten bzw. Gesten zu agieren. Für die so genannten „Materialtänze“ wurde jeweils ein bestimmter Werkstoff für die Kostüme bzw. Requisiten gewählt: Holz, Glas, Metall.

 In der Ausstellung werden zahlreiche Bild- und Textdokumente sowie Filmmaterial und Kostümrekonstruktionen präsentiert. Hauptleihgeber ist das Bauhaus Dessau. Der Bezug zu Hannover ist über ausgewählte Ausdruckstänzerinnen und -tänzer gegeben: Mary Wigman, die wohl prominenteste Vertreterin des Ausdruckstanzes in Deutschland; Yvonne Georgi, die seit 1926 als Ballettmeisterin an den Städtischen Bühnen wirkte und Harald Kreutzberg, der ab 1927 als Solotänzer Anstellung fand. Ihre Erfolge feierten sie über Deutschlands Grenzen hinaus.

Begleitprogramm zur Ausstellung

 Mittwoch, 12.06.2019, 18.00 – 20.00 Uhr 

Lecture Demonstration

Mary Wigmans Tanzstück „Die Feier“ von 1927/28 wurde jüngst von der Dance Company des Theaters Osnabrück in rekonstruierter und teils neu gestalteter Fassung auf die Bühne gebracht. Die Dramaturgin, Dr. Patricia Stöckemann, und die Choreografin, Henrietta Horn, demonstrieren, wie sie anhand von historischen Fotos, Beschreibungen, Kritiken und Skizzen die vielen Puzzleteile des Werkes zu einem stimmigen Gruppentanzstück fügten.

 Samstag, 15.06.2019, ab 18 Uhr

Nacht der Museen

Das Motto im Museum August Kestner: Bauhaus und Tanz

Ein vielfältiges Programm anlässlich der Sonderausstellung und 100 Jahre Bauhaus. Kurzführungen, Performance der Hochschule Hannover, Konzert vor Mitternacht…

 Mittwoch, 19.06.2019 und Donnerstag, 08.08.2019, 16.00 – 17.30 Uhr

Stadtteilrundgang „Nun sagen Sie das einmal mit Ihrem Körper“

Mary Wigman, Yvonne Georgi und der Ausdruckstanz in Hannover

Mary Wigman revolutionierte mit dem modernen Ausdruckstanz die Welt des Tanzes. Sie wurde 1886 in Hannover geboren und wohnte eine Zeitlang in der List, bevor sie sich ganz dem Tanz verschrieb. Zu den ersten Schüler*innen ihrer 1920 in Dresden eröffneten Schule gehörte Yvonne Georgi. Diese tanzte im hannoverschen Opernhaus als Solistin, arbeitete hier viele Jahre lang als Ballettmeisterin und Choreografin und lehrte nach dem zweiten Weltkrieg an der Musikhochschule, die damals bis zum Umzug an den Emmichplatz im Lister Turm ansässig war. Am Ende des Rundgangs im Stadtteilzentrum Lister Turm sehen Sie Originalaufnahmen aus den 1920er Jahren wie z.B. den Hexentanz von Mary Wigman.

Zum Abschluss sehen sie im Lister Turm originale Filmaufnahmen der 1920er Jahre.

Treffpunkt: Reesebrunnen neben der Musikhochschule, Emmichplatz

Anmeldung unter: 0511 – 168/42120 oder: museen-kulturgeschichte@hannover-stadt.de, Stichwort: Stadtspaziergang (.max. 20 Personen)

Kosten: 7,00 Euro, Hannover Aktivpass frei (wird vor Ort eingesammelt)

 

Eisfabrik


Mónica García Vicente
Hablando de Carmen / Sprechen über Carmen


15.6./16.6./20.6./21.6. und 22.6.2019

Die Liebe ist, so heißt es in Bizets Oper, ein rebellischer Vogel. Carmen weiß das und sie lebt danach. Ausgehend von der berühmten Opern-Figur setzt sich Mónica García Vicente mit den zeitgenössischen Debatten und Stereotypen über Geschlechterbilder und Sexismus, Identität und Alterität in einer dialogischen Performance aus Tanz, Musik und Text auseinander. 


Landerer & Company


Hikikomori

im Schauspielhaus Hannober

Seit geraumer Zeit ist ein sonderbares und stark anwachsendes Phänomen zu beobachten, dem der japanische Psychologe Tamaki Saito den Namen »Hikikomori« gab. Es bezeichnet Menschen, die sich vor dem Leben verstecken, sich zurückziehen in ein Zimmer und über Monate, sogar Jahre, das Haus nicht mehr verlassen und stattdessen in digitale Parallelwelten abtauchen. Menschliche Begegnungen und Berührungen finden nicht mehr statt. Im Gegenteil: Sie sind mit Angst besetzt. Hikikomori bezeichnet ein Krankheitsbild, aber die Welt, die uns umgibt, macht uns alle zunehmend zu Hikikomoris. Die Isolation wächst. Sie wird als Unabhängigkeit gefeiert. Wir sitzen in Räumen, die optimal auf uns zugeschnitten sind, wie bereits auch unser Blick auf die Wirklichkeit durch Google und Facebook optimal zugeschnitten ist. Unsere Wahrnehmung wird auf unsere individuellen Wünsche reduziert, Nachrichten passen sich unseren Bedürfnissen an. Der Ausschluss des Unerwarteten, Überraschenden, Wildwuchernden gelingt immer besser. Eine Verkümmerung.


Landerer&Company untersucht die Folgen dieser Lebensoptimierung, die alles Störende ausschließt und entwirft einen Gegenentwurf voller Körperlichkeit und der Schönheit und Komplexität menschlicher Begegnung und sinnlicher Wahrnehmung. Nach Lucky ist Hikikomori die zweite Kooperation des Schauspiel Hannover mit Landerer&Company.









Kunstfestspiele Herrenhausen



no___soulier_the_waves__c__pierre_ricci.jpg

Noé Soulier: The Waves

So 19.05. – 19:30, Orangerie

„Lange gab es nichts so Herrliches, Fremdartiges, Neues, Eigenartiges zu entdecken im zeitgenössischen Tanz ...“ (FAZ)
Was impliziert eine Geste? Wie entfaltet sich die Bedeutung einer Bewegung? In seinen Choreografien seziert der französische Choreograf und Philosoph Noé Soulier einzelne Elemente von Bewegungen und reduziert sie auf ihre Essenz. Dabei verbindet er das Philosophische und das Künstlerische, und untersucht die Beziehung zwischen Bewegung und Gedanke. In seiner neuen Produktion The Waves geht er davon aus, dass wir komplexe Erfahrungen mit körperlichen Bewegungen und Haltungen assoziieren, und erarbeitet daraus ein Vokabular von Gesten. Wie im titelgebenden Roman von Virginia Woolf stehen auch bei Noé Soulier sechs Personen auf der Bühne, die gemeinsam eine entsexualisierte Welt aus purer Bewegung erschaffen. Für die Zuschauer*innen ist es faszinierend zu beobachten wie die einzelnen Bewegungen erzeugt werden und doch unmöglich zu entziffern, woher sie kommen.

Die Schlagwerker Tom De Cock und Gerrit Nulens vom Ensemble Ictus interagieren in ihrer mit Noé Soulier gemeinsam entwickelten Improvisation unmittelbar mit den virtuosen Tänzer*innen und der Choreografie. So versinkt man in einem mitreißenden Universum aus Klang und Bewegung, in dem sich Körper und Musik kreuzen, abprallen und zerstreuen wie kollidierende Atome.

 Choreografie Noé Soulier
Performer*innen Stephanie Amurao, Lucas Bassereau, Meleat Fredriksson, Yumiko Funaya, Anna Massoni, Nans Pierson
Musik Noé Soulier, Tom de Cook, Gerrit Nulens
Interpretation Tom de Cook, Gerrit Nulens (Ictus Ensemble)

Sprache Englisch, Dauer ca. 1h





Mehr über den CHoreography 33 erfahren Sie hiER